Predigt 23.08.2026
- P.Karagiouvanis

- vor 3 Tagen
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Aus dem Evangelium nach Lukas (Lk 10,38-42; 11,27-28)
In jener Zeit kam Jesus in ein Dorf. Eine Frau namens Martha nahm ihn gastfreundlich auf. Sie hatte eine Schwester, die Maria hieß. Maria setzte sich dem Herrn zu Füßen und hörte seinen Worten zu. Martha aber war ganz davon in Anspruch genommen, für sie zu sorgen. Sie kam zu ihm und sagte: Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!
Der Herr antwortete und sprach zu ihr: Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig. Maria hat den guten Teil gewählt, der ihr nicht genommen werden wird.
Als er das sagte, erhob eine Frau in der Volksmenge ihre Stimme und rief ihm zu: Selig der Schoß, der dich getragen hat, und die Brust, die dich gestillt hat!
Er aber erwiderte: Ja, selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.
„Maria hat den guten Teil gewählt, der ihr nicht genommen werden wird“
Liebe Brüder und Schwestern im Herrn,
das heutige Evangelium aus dem Lukasevangelium führt uns in ein Haus in Betanien, in das Heim von Martha und Maria. Der Gast dort ist der Meister selbst, unser Herr Jesus Christus. Diese Szene mag auf den ersten Blick einfach und alltäglich erscheinen, doch birgt sie eine tiefgreifende geistliche Bedeutung in sich, die das Wesen unseres christlichen Lebens, der pastoralen Sorge und unserer inneren Suche berührt.
Wir sehen zwei unterschiedliche Lebenshaltungen angesichts der Gegenwart Gottes. Auf der einen Seite steht Martha: eifrig, gastfreundlich und aktiv, ganz in der Sorge um das Wohl ihres Gastes aufgehend. Sie ist ganz davon in Anspruch genommen, zu dienen. Ihre Hingabe ist selbstlos und voller Liebe; sie möchte dem Gottmenschen auf bestmögliche Weise dienen. Auf der anderen Seite sehen wir Maria: still und hingebungsvoll sitzt sie zu Füßen Jesu und nimmt jedes Wort auf, das aus seinem Mund hervorgeht.
Martha, erschöpft von der Mühe der Vorbereitungen und vielleicht von einem Gefühl der Wut oder Enttäuschung erfüllt, wendet sich an Christus: „Herr, kümmert es dich nicht, dass meine Schwester die ganze Arbeit mir überlässt? Sag ihr doch, sie soll mir helfen!“ Die Antwort des Herrn enthält jedoch keine Ablehnung oder Zurechtweisung für ihre Mühe, sondern einen sanften, seelsorgerischen Hinweis: „Martha, Martha, du machst dir viele Sorgen und Mühen. Aber nur eines ist notwendig.“
In der orthodoxen Tradition wurde dieser Abschnitt niemals als Entwertung des praktischen Dienstes oder der alltäglichen Pflichten missverstanden. Die Kirche hat das Dienen, die Barmherzigkeit, die Arbeit und die Sorge um den Nächsten nie abgelehnt. Im Gegenteil: Martha und Maria symbolisieren zwei fundamentale Dimensionen des geistlichen Weges des Menschen – die Praxis (praxis) und die Schau (theoria, die gebetsvolle, geistige Betrachtung Gottes).
Marthas Problem war nicht ihr Dienst selbst, sondern ihre innere Unruhe, ihre Zerstreuung und ihre Fragmentierung. Das Wort „Sorgen und Mühen“ beschreibt die Verwirrung und den Lärm der Seele, die ihre Mitte und Orientierung verliert. Wenn unser Handeln – selbst wenn es heiligen Zwecken oder kirchlichen Aufgaben dient – uns mit Stress, Gereiztheit und Verbitterung gegenüber anderen erfüllt, bedeutet dies, dass wir das Zentrum aus den Augen verloren haben. Wir haben den Grund vergessen, für den wir mühen.
Christus erinnert uns daran, dass „nur eines notwendig ist“: die persönliche, lebendige und ununterbrochene Beziehung zu ihm. Maria hat nicht die Untätigkeit gewählt, sondern die Priorität. Sie hat ihr Herz als Altar bereitet, um den Samen des göttlichen Wortes zu empfangen. Dieser „gute Teil“, die Gemeinschaft mit Gott, ist der einzige Besitz, der dem Menschen niemals genommen werden kann, weil er die Grenzen dieser Welt überschreitet und in das ewige Leben eingeht. Alles andere – die Sorgen, die Werke, die Ämter, die täglichen Mühen – ist vergänglich.
Im zweiten Teil der Stelle ruft eine Frau aus der Menge, gerührt von der Lehre Christi, aus: „Selig der Schoß, der dich getragen hat!“ Der Herr mindert die Würde seiner heiligsten Mutter nicht, erweitert jedoch den Begriff der Seligkeit: „Ja, selig sind vielmehr die, die das Wort Gottes hören und es befolgen.“ Die wahre Verwandtschaft mit Christus ist weder leiblich noch äußerlich, sondern geistlich. Selig ist derjenige, der Gottes Wort hört, es im Herzen bewahrt und im Alltag umsetzt. Und wer ist das vollkommenste Beispiel dieser Haltung? Die Gottesgebärerin (Theotokos) selbst, die „alle diese Worte in ihrem Herzen bewahrte und darüber nachspann“.
Wie lassen sich diese Botschaften in unsere heutige pastorale Realität übersetzen?
Wir leben in einer Zeit der Reizüberflutung, der Geschwindigkeit und des ununterbrochenen Lärms. Der moderne Mensch – selbst der Gläubige, der im kirchlichen Leben kämpft – findet sich oft im „Martha-Syndrom“ gefangen. Wir sorgen uns und quälen uns mit tausend Dingen: um den Beruf, die Pflichten, das Ansehen und sogar um die äußeren Formen des kirchlichen Lebens. Wir werden nervös, ungeduldig und kritisch gegenüber unseren Brüdern und Schwestern, die nicht in unserem Tempo Schritt halten.
Die orthodoxe Seelsorge ruft uns zu einer tiefen inneren Neuausrichtung auf. Sie lädt uns ein, das Gleichgewicht zwischen Praxis und Schau wiederzufinden. Unser Dienen in der Welt, in der Familie, am Arbeitsplatz und in der Gemeinde muss aus der Stille des Gebets und dem Hören auf das Wort entspringen. Wenn wir nicht zuerst „zu Füßen Jesu“ im Gottesdienst, im Studium der Heiligen Schrift, in der geistlichen Nüchternheit (nepsis) und im Sakramentsleben verweilen, läuft unser Handeln Gefahr, zu einem trockenen Aktivismus zu werden – zu einer psychologischen Entladung ohne den Heiligen Geist.
Maria lehrt uns die Heilung von der Zerstreuung. Sie lehrt uns die heilige Haltung des Zuhörens. Im Gebet bitten wir Gott nicht darum, unsere eigenen Wünsche zu erfüllen, sondern wir werden still, um seine Stimme zu vernehmen.
Liebe Brüder und Schwestern, lassen wir nicht zu, dass der Lärm der Welt uns den „guten Teil“ raubt. Sorgen wir für unsere täglichen Pflichten mit Verantwortung und Liebe wie Martha, aber bewahren wir unser Herz ruhig, gebetsvoll und Christus zugewandt wie Maria. Dann wird jedes unserer Werke geheiligt werden, und auch wir werden Teilhaber der wahren Seligkeit, indem wir das Wort Gottes in unserem Leben bewahren. Amen.



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